Aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist die Lienzer Rose auf dem Stadtwappen. Zu ihren Ehren wurde eine fünfblättrige, rot-orange neue Züchtung „Lienz Rose“ getauft. Die Schöne lässt sich in der Innenstadt gerne bewundern und wer ihrem Zauber verfällt kann sie käuflich erwerben und somit ein Stück der Lienzer Geschichte in seinen Garten pflanzen.

In der Antike galt sie als Zeichen der Verschwiegenheit, ab dem Mittelalter als Symbolpflanze der Jungfrau Maria und heute sprechen ihre unterschiedlichen Farben von Liebe, Freude, Neid oder Ewigkeit: die Rose, die sich beständig durch jede Epoche rankt und bis heute nichts an Symbolkraft verloren hat. Sie begleitet auch Lienz seit Jahrhunderten, wurde zum Ausdruck von Recht und Freiheit, zum Zeichen der Verbindung zwischen Bürgertum und Herrschaftshaus. In langsamen Schritten fand die Lienzer Rose zum Görzer Löwen, wie ein Auftragswerk der Brüder Manesse zeigt.

„Manessische Liederhandschrift“ nennt sich ihre Sammlung mittelalterlichen Liedgutes, das zu den bedeutendsten Erbstücken der ehemals höfisch geprägten Kultur der Stadt zählt. Ein Beitrag dazu stammt aus der Feder des dichtenden Ritters Heinrich, Burggraf von Lienz, in dessen Werk „Illumination“ erstmals jene fünfblättrige Rose im weißen Feld auftaucht, die später ihren Weg ins Lienzer Stadtwappen finden sollte.

Vorerst erfüllte diese Aufgabe jedoch noch allein das Wappen der Grafen von Görz: Ein schräg geteiltes Schild mit einem goldenen, nach oben schreitenden Löwen in blauem Feld über einem meist sechsmal durch Silber und Rot quer geteiltem Feld. Als ältestes „Lienzerisches Wappen“ tauchte jenes des Stadtrichters Ernst von Dobrawicz im Jahr 1277 auf, rund 250 Jahre später zeigt das Stadtsiegel immer noch das gräfliche Emblem. Dabei existierte längst ein Wappen der aufstrebenden Bürgerschaft, das die fünfblättrige Rose in weißem Feld zierte. Eine sehr frühe Darstellung dieser Art findet sich auf dem hintersten Gewölbeschlussstein im Mittelschiff der Stadtpfarrkirche St. Andrä, auch einen Wappenstein von 1536 am ehemaligen Rathaus zierte diese „Lienzer Rose“. Der Sprung auf das Siegel gelang ihr erst lange nach der Herrschaft der Grafen von Görz – in Verbindung mit dem alten gräflichen Wappen, auf deren unteren beiden Querbalken sie seither thront.